Tine goes Gemeinschaftsschule – for real

Irgendwie bin ich mehr angekommen im Leben einer Lehrerin als ich es vor dem Referendariat vermutet habe. Meine Promotion ist zu einer Fernbeziehung geworden, die ich in den Ferien sehe. Gerade sind die Sommerferien wieder vorbei und in diesen sechs Wochen sind wir uns wieder näher gekommen, haben angefangen darüber zu diskutieren, was wir denn eigentlich gemacht haben und welche Relevanz unser Vorhaben hat. Es ging also um die großen Zusammenhänge. Nun mussten wir uns leider wieder trennen und ich vermisse sie schon ein bisschen.

Aber im Gegensatz zu anderen Dingen in meinem Leben, konnte ich meine Promotion in eine große Kiste packen und mit nach Tübingen umziehen. Jetzt leben und arbeiten ich daran einfach in einer anderen Bibliothek und kaufe Club Mate in der Mittagspause an einem anderen Kiosk. Oder aber in meinem kleinen Arbeitszimmer unterm Dach einer WG in Tübingen. Sie ist zwar immer dabei, aber leider habe ich wenig Zeit für sie und mir fehlt meine treue menschliche Begleiterin dazu, deren Dissertation ebenfalls ein Ferienprojekt geworden ist.

Schon während dem Referendariat und lange bevor das Bewerbungsverfahren für die Stellen angefangen hat, habe ich lange und immer wieder überlegt, was ich denn jetzt eigentlich machen will und mir dabei viele Fragen gestellt.

Schule oder Wissenschaft? Und wenn Schule, dann wo und wie? Wissenschaft, Hochschule oder doch etwas ganz anderes? Vielleicht doch in der irgendwo in der Wirtschaft?

Da es nicht mehr die Zeit ist in der Mathelehrerinnen mit beliebigem Zweitfach händeringend gesucht werden (oder mir das Seminar zumindest genügend Angst mit den Worten „Mobilität und Flexibilität“ gemacht hat), habe ich früh angefangen wieder über den Tellerrand zu schauen und überlegt was es da noch so gibt. Da die Promotion noch nicht abgeschlossen ist, fielen viele Stellen in der Hochschule aus. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich doch mehr Planungssicherheit brauche und schon im Dezember kribbelten die Füße, dass ich nicht wusste wo und ob ich ab September überhaupt Arbeit haben werden. Stellen an den Hochschulen werden oft kurzfristiger vergeben als es mir lieb ist und zudem würde ich dann zwei oder drei Jahre später wieder mit den selben kribbelnden Füßen da stehen. Auch wenn ich die Arbeit an der Hochschule sehr mag… irgendwie war der Wunsch nach einer festen Stelle und besserer Bezahlung doch größer. Nach zehn Jahre studieren und lernen will ich auch mal das Gefühl haben Geld zu verdienen mit dem ich nicht nur gut über die Runden komme, sondern mir damit auch ein viel zu teures Fahrrad leisten zu können ohne dafür zwei Jahre zu sparen.

Also habe ich ab Dezember wieder lauter Luftballons steigen lassen und geschaut was passiert. Zunächst (im Dezember) in Richtung Internate, deren Antwort kam aber so spät (im Mai), dass es scheinbar dafür jetzt nicht dir richtige Zeit war. Die Stellenausschreibungen des Landes an Gymnasien kamen recht schnell ohne Einladung zu Vorstellungsgesprächen zurück. Meine Noten waren für sie scheinbar wichtiger als mein Vita – und diese konnten nicht überzeugen. Ich finde es schade, dass viele Gymnasien doch lieber den Einser Kandidaten mit Fokus auf seine Fächer bevorzugen als jemand der sich mehr für Schule und Bildung interessiert und damit einen andern Blick auf diese Institution hat. Ein anderes Gefühl hatte ich bei einem Vorstellungsgesprächen an einer Gemeinschaftsschule. Als ich die Stellenausschreibung las, dachte ich: oh ja, das wäre etwas für mich – war zunächst recht aufgeregt und fest entschlossen mich zu bewerben. Mein kurzer Ausflug an eine Gemeinschaftsschule hatte mich bestätigt, dass so etwas eine Schule für mich sein könnte, aber eben auch nicht an jeder Schule und unter allen Umständen. Die Schule in Tübingen wollte ich mir anschauen und im Bewerbungsgespräch hatte ich das Gefühl, dass hier Schule anders verstanden wird als ich es von anderen Schulen gewöhnt bin. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass hier mehr Raum (und die Größe) für die vielen Ideen sind, die ich gerne ausprobieren würde und vielleicht auch wieder ein Umfeld wie an der PH, an dem man gerne experimentiert. Eine Gemeinschaftsschule – raus aus meinem Nest in Heidelberg (ich bin ja flexible und mobil…) Ich wollte lieber irgendwohin gehen und mich dafür entscheiden, als im Juni einen Brief zu bekommen, der mich an eine beliebige Schule (womöglich doch in der Provinz) zuteilt. Meine eigene Entscheidung war mir wichtiger als eine Zuteilung, die dem Lottospielen gleicht.

Als das Angebot kam, musste ich dennoch lange überlegen, weil ich nicht wirklich wusste welche kurz- oder langfristigen Folgen dieser Wechsel hat. Viele Telefonate mit Freunden und Kollegen haben mir bei der Entscheidung geholfen. In meinen Ohren klang aber auch oft: Da kommst du nicht wieder weg. So richtig will sich das RP auch nicht festlegen, ob ein Wechsel an ein Gymnasium danach noch realistisch ist. Ich verstehe nicht, warum es für Gymnasiallehrer*innen so unattraktiv gemacht wird an eine Gemeinschaftsschule zu wechseln. Warum Beamtensein so wenig flexibel ist und so wenig Raum bietet sich auszuprobieren oder zu verändern? Eine Zusage fühlt sich an als würde ich ein Blinddate am selben Tag heiraten müssen. Und ich habe doch immer gesagt, dass ich erst Beamtin sein will, wenn ich ein Haus gebaut habe. Ohne Haus, dafür mit viel Mut und Idealismus habe ich mich dann dafür entschieden die Stelle an dieser Schule – mit den vielen Möglichkeiten und Unsicherheiten, die sie mir bietet – anzunehmen. Wenn ich prinzipiell für diese Schulart bin, dann muss ich auch selbst den Schritt wagen an ihr zu unterrichten – auch wenn ich die Folgen nicht abschätzen kann. So stelle ich mich dem Unbekannten, der Herausforderung, dem Chaos und mit viel zu wenig Vorbereitung von Seiten meiner Ausbildung, was da auf mich zukommt. Aber warum auch nicht? Ich bin gespannt auf die Dinge die da kommen werden.

Nach der ersten Schulwoche stehe ich mit großen Augen vor der Vielfalt dieser Schule und bin froh ein Teil davon zu sein. Mit sieben unterschiedlichen Klassen und 150 verschiedenen Schüler*innen, die mich mit großen Augen anschauen (oder gelangweilt woandershin) und genauso wenig wie ich wissen, was da in diesem Schuljahr auf sie zukommt. Jeder Kurs so anders und speziell, dass ich mich sehr darüber freue ihn kennenzulernen und gespannt bin, was ich am Ende vom Schuljahr für Erfahrungen gemacht habe. Aber vor dem Ende ist das erst einmal ein Anfang … .

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Eingeordnet unter Arbeitskram, Schule

Verknüpfung von Schule und wissenschaftlicher Forschung (gescheitert?)

Teil des 2. Staatsexamens ist es die sogenannte „DUE“ (Dokumentation einer Unterrichtseinheit). Das bedeutet, eine Unterrichtseinheit, soll besonders gut durchdacht und mit einer Innovation durchgeführt und im Anschluss reflektiert. Schnell war klar, dass ich sie im Fach Mathematik machen werde. Neuer innovativer Ansatz war halbwegs schnell über die Methode gefunden und neue Methoden kann man ja in jeder Klasse zu (fast jedem Thema) einsetzen. Input und Anregungen dazu habe ich mir an der PH geholt und motiviert die Welt (oder zumindest meine Klasse) zu verbessern, bin ich mit meinem Projekt „Plickers zur Förderung von Diskussionsprozessen“ gestartet. Man kann das als eigenes kleines Forschungsprojekt in der Schule sehen, statt der Dokumentation einer Unterrichtseinheit – zumindest war das mein Gedanke. „Pilotierung“ erfolgte noch vor den Sommerferien in der 10. Klasse oder zumindest wurden dort die Plickers mal angetestet und geschaut, wie die Schüler*innen darauf reagieren.

Was sind eigentlich Plickers? Plickers ist ein Audience Responce System (Wie die Clickers bei „Wer wird Millionär?“) das mit einem Handy und Papierkarten als Abstimmungsgeräte funktioniert. Also weder das Prinzip „Bring your own Device“, was sich in der Schule als schwierig umzusetzen lässt noch von mir bereitgestellte Hardware Clickers und dazu teure Software ist nötig. Plickers funktioniert mit meinem Handy, das die Papierkarten, die eine Art QR-Code darstellen einscannt. Je nachdem welche Seite des DIN A4 Blattes die Kinder nach oben halten, stimmen sie mit A, B, C oder D ab. Die Abstimmung mit Fragen und einfacher Auswertung kann mit einem internetfähigen Rechner oder eben einem Smartboard live verfolgt werden. Smartboards gibt’s in der Schule, einen Drucker auch und mein eigenes Handy habe ich. Fertig ist das Audience Responce System. Kostenpunkt: Papier und Druckerfarbe. (Auch für einen Referendar erschwinglich oder eben in der Schule zu drucken)

Acht Stunden unterrichten, reflektieren und aufschreiben. Klingt erst einmal gar nicht so schwer, wenn man eine Studie mit 18 Klassen hinter sich hat und darüber eine Promotion schreiben will. Irgendwie hab ich mich auch auf die Zeit gefreut und das aufschreiben, das jetzt in den Weihnachtsferien stattfinden soll.
Aber es kommt ja doch immer anders als man denkt. So eine Unterrichtseinheit während des Referendariates ist natürlich etwas anderes als sich nur eine Stunde in einer Klasse zu erforschen und dafür eine Ewigkeit Vorlauf hatte. Aktionsforschung sollte es ein, aber das ist schwer, wenn man sowohl didaktisch als auch methodisch bei dem Thema fast bei Null beginnt. Und Schüler*innen einer 8. Klasse sind eben doch eine Störvariable, die ich in der Zeit nicht kontrollieren konnte. Die interessieren sich nicht dafür, dass man ja jetzt eigentlich „erforschen“ will, was man da gerade tut und die Methode, die man benutzt noch viel mehr erreichen soll, als gerade Abwechslung zu bringen. Eine dokumentierte Einheit macht es auch nur schwer möglich, spontaner und vielleicht besser angepasst auf die Schüler*innen zu reagieren. Man will sich ja nicht direkt eingestehen, dass man didaktisch und methodisch irgendwie falsch geplant hat und hegt die Hoffnung, dass es doch irgendwie klappt. Zudem sind Lineare Gleichungssysteme wirklich kein Thema bei dem man die Schüler*innen mit anderen Dingen ablenken sollte, wenn sie sich sowieso schon zu genügend von sich selbst ablenken lassen. Fazit auch bevor die Arbeit geschrieben ist: Forschungsziel und eigene Ansprüche mit der DUE nicht erreicht. Wie und woran das genau lag, hoffe ich in den nächsten drei Wochen zu Papier zu bringen. Unabhängig von der DUE kommt mit während des Refs immer wieder der Gedanke, dass die Verknüpfung von Schule und Wissenschaft doch irgendwie besser funktionieren muss… .

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19. Dezember 2015 · 10:57

Motivation ist ….

Ich darf mir erst ein neues Mountainbike kaufen, wenn ich die Dissertation abgegeben habe.
(Und wenn das andere vorher kaputt geht, muss ich im Winter wohl wieder zum Spinning.)
*grml*

 

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Endlich wieder Zeit, um über meine Arbeit nachzudenken

Irgendwann in meiner Studienzeit, kurz vor den Semesterferien, in einer Kommission mit vielen Studierenden und wenig Professoren, fragte uns am Ende der Vorsitzende, ein manchmal etwas zerstreuter Professor der Mathematik, was wir denn in den Ferien vor hätten. Wir erzählten von unseren Plänen (ich glaube damals hatte ich vor auf Korsika zu wandern) und er freute sich auch auf die Semesterferien und seinen Urlaub, denn: „Dann habe ich endlich wieder Zeit, um über Mathematik nachzudenken“. Auf der einen Seite kam mir das damals etwas fremd vor, denn wir waren eher froh, dass wir die Mathematik mal für eine Zeit zur Seite legen konnten, bevor das Semester beginnt und uns mit anderen Dingen zu beschäftigen.  Auf der anderen Seite fand ich seine Begeisterung und Vorfreude amüsant und zum schmunzeln. Ja, ich wusste damals schon, dass Professoren und auch andere Hochschulangehörige viel administrative Arbeit haben und irgendwie nie Zeit ist, das zu tun, was man eigentlich tun will, aber sich mehr darauf zu freuen Mathematik zu machen als in den Bergen zu wandern?! Auch ich genoss später die Semesterferien immer sehr, weil es einfach ruhiger auf den Fluren ist und ich mich auch auf meine Forschung zu konzentrieren konnte. Was seine Vorfreude aber wirklich bedeutet und die Beschäftigung mit der Mathematik Urlaub darstellt, konnte ich nicht nie so ganz erfassen. Ich gehörte aber auch nie zu der Sorte Studentin, die Mathematikskripte oder Bücher in den Urlaub mitnimmt und liest, wie manch andere Freunde von mir (beachte die Mehrzahl!).

Vor ein paar Tagen haben die Sommerferien begonnen und die meisten meiner Mitreferendar*innen haben Urlaubspläne und werden die freie Zeit genießen. Ich mache nicht Urlaub auf Balkonien, sondern Urlaub in der Bibliothek und ich muss wirklich sagen, dass ich mich darauf freue, ähnlich wie der Professor damals von seinen Plänen erzählt hat. Zugegebenermaßen habe ich in den letzten Woche neben Projekttagen und letzten Schulwochen einige freie Zeit genossen und meine Arbeit für die Promotion auf die Ferien geschoben. Auch heute bin ich noch im Homeoffice und versuche meinen Schreibtisch aufzuräumen, sowie Zettel und Kram zu sortieren. Aber der Gedanken sich wieder Tag für Tag vor den Computer, die Zahlen, die Diagramme und das Manuskript zu setzen lässt mich doch etwas Vorfreude aufkommen.

6 Wochen Ferien. Eine Woche davon mache ich selbst noch Urlaub. Mal sehen, wie weit ich in der Zeit komme. In der letzten Woche habe ich schon ein bisschen dran gesessen, um wieder rein zu kommen und so langsam nimmt auch das vorletzte (oder vorvorletzte) Kapitel Form an.

Meine To-Do-Liste für die Ferien:

  • Kapitel über die quantitative Studie fertig schreiben
  • SPSS Lizenz besorgen
  • Paper für die ICME einreichen
  • DUE vorbereiten
  • Unterricht vorbereiten
  • Diskussionsteil schreiben
  • Literaturverzeichnis Fehler beheben
  • mal wieder draußen klettern
  • Katha ihren Schlafsack zurückgeben

Und wer braucht schon Urlaub, wenn sie noch von Erinnerungen an eine schöne Zeit in Südamerika zehren kann?

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                Peru, Salkantay Trek

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Zwischenspiel: TinegoesGemeinschaftsschule

Immer mal wieder was Neues erleben, alles mal mitmachen, alles mal ausprobieren. Das führt dazu, dass ich auch mal Paintball spielen war, mir ein Einrad gekauft habe und vielen anderen Kram immer wieder passiert. Bei manchen Dingen bleibe ich hängen, manches verschwindet wieder aus meinem Leben. Vom Prinzip versuche ich das auch so in meinem beruflichen Leben zu machen. Offen sein für neue, fremde Dinge und sich selbst eine Meinung bilden.

Während des Referendariates hatten wir die Möglichkeit zwei Wochen an einer Gemeinschaftsschule zu hospitieren. Da ich auch noch nicht genau weiß, wie mein Leben als Lehrerin aussehen soll, vorallem nicht an welcher Schulart oder -form – oder vielleicht doch ganz woanders, wollte ich die Gelegenheit nutzen, mir anzuschauen, was eine Gemeinschaftsschule ist und wie sie funktioniert. Gemeinschaftsschule ist ein Konzept, das von der aktuellen Landesregierung auf die Beine gestellt wurde und es zeigt sich an vielen Stellen, immer wieder, dass die Idee auch in anderen Bereich wie der Lehramtsausbildung umgesetzt oder übertragen werden soll. Es wird viel darüber diskutiert, von Gymnasiallehrkräften oft kritisch begutachtet oder komplett abgelehnt und bestimmt auch von einigen als das Schulkonzept schlechthin bezeichnet. Um mir also eine Meinung zu bilden, wollte ich mir das selbst anschauen, ohne zuvor eine Pro- oder Kontraposition eingenommen zu haben. Aber prinzipiell bin ich  ja über jede Schule froh, die sich überhaupt Gedanken, um pädagogische Konzepte macht und versucht etwas durchzusetzen, statt Schule so laufen zu lassen, wie sie ist und nur das zu ändern, was unvermeidbar ist.

Also hieß es für mich meine Schule zwei (mit Ferien sogar vier) Wochen zu verlassen und auf zur Gemeinschaftsschule! (Das hatte allerdings auch zur Folge, dass die beiden Wochen vor dem Praktikum mit zwei Unterrichtsbesuchen stressiger waren als alle anderen.)

Was das besondere an der Gemeinschaftsschule ist, wurde uns in einem Workshop erklärt, aber danach kamen in den Köpfen viele Fragezeichen auf: Wie genau wird das gemacht? Funktioniert das?

Ein kurzes Video erklärt, wie es sein sollte.

Grundprinzip der Gemeinschaftsschule ist: Alle lernen gemeinsam. Inklusion soll dabei eine Rolle spielen und den Schüler*innen wird die Möglichkeit gegeben jeden Schulabschluss an dieser Schule zu machen. Es gibt keine Noten, sondern die Schüler*innen werden mit Kompetenzrastern bewertet und arbeiten  auf verschiedenen Kompetenzstufen. Dadurch kann eine Schülerin in Mathe auf gymnasialer Kompetenzstufe sein, in Deutsch jedoch auf einer anderen. In der Theorie überzeugen mich diese Ansätze.

Wie sieht der Unterricht aus und was sind das für Schüler*innen, die an so einer Schule sind?

Erster Eindruck: Das Klassenzimmer unterscheidet sich von dem mir bekannten: Jede*r Schüler*in hat einen kleinen eigenen Arbeitsplatz mit einem Schreibtisch und einem Regal gefüllt Material. An den Wänden hängen alle möglichen Planer, Bilder und sonstiger Kram.

Die Lehrkraft wird zum Lernbegleiter. Schüer*innen lernen viel selbstständiger und werden nicht „belehrt“. Im Unterricht arbeiten die Schüler*innen an Lernpaketen zu den einzelnen Fächern und von der Lernbegleitung gibt es Unterstützung und Inputphasen. Schüler*innen arbeiten nicht alle an den gleichen Lernpaketen, je nach eigenem Tempo. Die Lernpakete müssen dazu sehr gut aufbereitet sein und es erfordert viel Eigendisziplin von den Kindern daran konzentriert zu arbeiten. Individuelle Betreuung steht im Vordergrund oder soll es zumindest.

Neben dem Unterricht gibt es am Tag zwei Stunden Lernzeit. In der Lernzeit arbeiten sie wieder an ihren Lernpaketen, ein bisschen wie in der Hausaufgabenbetreuung, würde ich schätzen (tatsächlich kenne ich keine Hausaufgabenbetreuung…).

Damit das Lernen organisiert und reflektiert wird gibt es Lernplaner, die in einem Coachingespräch einmal in der Woche mit dem Lernbegleiter besprochen werden. So bekommt jedes Kind individuelles Feedback und Unterstützung das eigene Lernen zu organisieren.

Es wird viel von den Kinder verlangt, sie müssen sehr eigenständig und  reflektiert arbeiten. Die Kinder lernen zu lernen. Alles kompetenzorientiert. (Ich hab das ja erst im Studium gelernt, glaube ich ->  Wenn die Kids damit erfolgreich sind, werden sie alle mal ganz toll promovieren!!)

Je mehr ich über Schule nachdenke, desto häufiger Frage ich mich: Was soll ein Kind, ein junger Erwachsener eigentlich am Ende der Schulzeit mitnehmen oder können?
(Fach)inhalte fallen mir dabei nicht so schnell ein. Dennoch lerne ich über Inhalte auch Kompetenzen. Ich wäre mathematisch nie so kompetent, wie ich es jetzt bin, wenn ich nicht viel mit und über die Fachinhalte gelernt habe. Ich habe durch die Inhalte gelernt, was Mathematik oder Philosophie ist und wie ich damit umgehen will. Inhalte, die ich brauche, kann ich mir wieder erarbeiten oder neu erarbeiten. Aber auch andere Dinge habe ich gelernt: Frustration aushalten, geduldig sein und darauf vertrauen, dass ich zum Ziel komme. (Gerade in den Pfingstferien habe ich bei der Arbeit an der Diss wieder einen Sprung zum besseren Statistik-Verständnis gemacht und davor gefühlt ewig im Dunkeln herumgeirrt.) Meine aktive Zeit in der Hochschulpolitik hat mir viel beigebracht, ohne dass ich dafür Paragrafen auswendig gelernt habe wie ich es bald für Schulrecht machen muss, sondern einfach weil ich aktiv an etwas partizipiert habe.

Ich wünsche mir immer wieder, dass Schüler*innen und Student*innen selbstständiger sind, wissen für wen sie lernen (nicht für die Prüfung und auch nicht für mich) und kritisch damit umgehen, was sie lernen (ich habe nämlich auch nicht immer Recht und erzähle manchmal Unfug). Aber ich glaube dafür brauchen sie mir wirklich keine Kurvendiskussion rauf und runter rechnen zu können, aber sie müssen in der Lage sein, sich das zu erarbeiten und wenn es notwendig ist auch leisten zu können. Viele Inhalte sind austauschbar. Irgendwer hat sich darauf geeinigt, was gelernt werden soll. Leider ist damit viel zu oft selbstbestimmtes Lernen nicht möglich.

Kann das eine Gemeinschaftsschule leisten, was ich mir von jungen Menschen am Ende ihrer Schulzeit wünsche? Ich weiß es nicht. Vielleicht. Kann es eine andere Schule?

Aber sie wird es nicht können, wenn sie an strukturellen Problemen scheitert und mit Lehrer*innen besetzt ist, die da nicht sein wollen oder von Leuten abhängig sind, die sie nicht unterstützen wollen. Gemeinschaftsschule ist ein Versuch. Ein staatlich geförderter Versuch Schule anders zu machen.  Das freut mich. Aber mich freut auch nicht alles, was und wie es passiert. Aber darüber muss sich jeder ein eigenes Bild machen. Ein Mensch sagte mir zum Abschluss: „Erzählen Sie weiter, was gut ist, aber behalten Sie für sich, was nicht so gut funktioniert.“ Eine Schule umzustellen funktioniert eben nicht in einem Schuljahr auf das nächste. Das dauert seine Zeit. Leider ist die Evaluation oder der Regierungswechsel schneller da, als die Schule braucht, um sich zu entwickeln und das System zu verwirklichen, wie es gedacht wäre.
Aber ich glaube darüber sollte sich jeder ein eigenes Bild machen und Schule funktioniert auch nur dann, wenn es alle wollen ;-) Eine Versuchsschule braucht auch seine Zeit, bis man von Erfolg oder Misserfolg sprechen kann.

Ob ich mal an einer Gemeinschaftsschule unterrichte? Vermutlich hängt das viel mehr von zufälligen Ereignissen ab, als von einer bewussten Entscheidung. Und wenn diese Ereignisse eintreten, dann könnte ich mich vielleicht bewusst dafür entscheiden.

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Einen Schritt weiter, neue Perspektive einnehmen

Angekommen in der Schule, im Unterrichten. Gerne reflektiere ich ja darüber, wie der Übergang von Schule in die Hochschule für Schüler*innen ist.  Ich selbst habe auch schon ein paar Übergänge mitgemacht. Von der Schule an die Uni, von der Uni an die PH und nun von der PH wieder an die Schule.

Und wie ist das eigentlich von der PH an die Schule zu kommen?

An der PH habe ich auch ein paar Veranstaltungen gelehrt – nun stehe ich vor Schüler*innen. Dafür habe ich vor langer Zeit mal angefangen zu studieren. Der Ausflug an die PH hat das ein bisschen nach hinten verschoben und mir eine andere Welt gezeigt. Hochschullehre, Didaktik, Promotion…. .

Ich hatte Angst davor, wieder zu Hause zu arbeiten und eingeschränkt zu sein, indem was ich tue. Aber irgendwie ist das gar nicht so schlimm. Wenn man den ganzen Tag Schüler*innen um sich hat, ist man irgendwie froh sich zu Hause im Chaos verkriechen zu können. Ich schaffe es momentan noch mein Sportpensum halbwegs zu halten. (Es tut mir auch nur geringfügig leid dienstags bei Regen vorzubreiten, statt zu biken.)

Hat es mich auf die Zeit an der Schule vorbereitet?

Der große Unterschied beim Unterrichten ist momentan noch, dass in der Schule unterrichten so viel mehr ist als unterrichten:

  • auf Schüler*innen aufpassen.
  • ihnen genau sagen, was sie wann, wie, wo und wie lange machen. (Liebe Schüler*innen: Bitte werdet ganz schnell eigenständig und selbstverantwortlich!).
  • Schüler*innen ermahnen, kontrollieren, erziehen, motivieren, disziplinieren …. .
  • selbst daran denken, was man ihnen denn gesagt hat.
  • Fragestellungen genau überlegen!

Momentan bin ich noch mit so vielen Sachen beschäftigt, da alles auf einmal viel zu viel ist. Aber ich hoffe, dass ich dahin komme. Auf Mathe fühle ich mich besser vorbereitet als auf Ethik. Da geht vieles schon intuitiver oder automatisierter. 20150307_122246

 

 Was ist für mich anders in der Schule und im Seminar, dadurch, dass ich drei Jahre in der Didaktik gearbeitet habe?

Nein, ich kann deswegen nicht besser oder leichter Mathematik unterrichten als andere. Es gibt Bereiche, bei denen ich glaube, dass sie mir leichter fallen, als anderen. Mit dem Flipped Classroom Prinzip und den Übungsgruppen an der PH habe ich als Dozentin gelernt flexibel zu sein und damit zu arbeiten, was mir die Studierende geben.  Ich bin es also gewohnt damit umzugehen und schaffe das meistens auch bei meinen Schüler*innen. Ich fühle mich kompetent genug, dass ich damit arbeiten kann, was die Schüler*innen antworten und das irgendwohin führen kann. In meinem Kopf fragt sich immer eine Stimme: Was meint er/sie damit? Wo kommt das her? Was DENKT er/sie dabei? Das Ziel: Verstehen, wie Kinder denken.

Aber ich glaube auch, dass ich an viele Aspekte anders herangehe als meine Kolleg*innen.  Ja, ich habe wissenschaftlich gearbeitet und ich tue es auch jetzt noch. Hoffentlich und immer wieder gerne. Bei der Vorbereitung auf meinen ersten Unterrichtsbesuch suche ich selbstverständlich nach Literatur oder Materialien von Didaktiker*innen und schaue gerne in Bücher (oder bei lieben Kolleg*innen an der PH vorbei). Das ist eine Arbeitsweise, die ich gewohnt bin (auch wenn mein Theorieteil meiner Diss mir gerade zu schaffen macht).

Rückblickend?

Ich kann nicht sagen, dass ich mir meine PH-Studis zurück wünsche. Die sind mir manchmal auch auf den Keks gegangen … die hätte ich viel mehr motvieren müssen, aber bei denen habe ich einfach vorausgesetzt, dass sie motiviert, eigenständig und selbstverantwortlich sind (auch wenn sie es nicht immer waren).  Die PH ist mir noch ein bisschen vertrauter als es die Schule gerade ist. Das braucht seine Zeit bis ich dort ankomme, es hat auch eine Zeit gedauert, bis ich an der PH angekommen bin. Schüler*innen bereiten andere Freuden und andere Probleme.

Aber es ist schön das selbst auszuprobieren und zu machen, wovon ich sonst so viel gelesen habe oder Voträge zu gehört habe. So lange studiert und irgendwann mal irgendwo ankommen, ist auch schön. Angekommen bin ich aber noch lange nicht ;-)

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CERME 9 oder warum ich auf Konferenzen fahre

5 Tage Konferenz in Prag. Das Referendariat hat gerade begonnen, ich verpasse die ersten Tage an der Schule und war stattdessen in Prag auf der CERME9 (Congress of European Research in Mathematical Education). Kein Wochenende und ein recht straffes Programm. Gut, dass das Paper dafür schon im September geschrieben wurde (da hatte ich auch eigentlich wenig Zeit dafür) und der Vortrag auch weitgehend stand. Aber ich bin ja immer wieder gerne unterwegs und froh über die Möglichkeit zur CERME fahren zu können. Von daher will ich mich gar nicht beschweren, sondern darüber schreiben und berichten, warum es immer wieder schön ist auf Konferenzen zu fahren und warum sie auch wichtig für das wissenschaftliche Leben sind.

Vor zwei Jahren war ich schon auf der CERME8 in Antalya und wusste jetzt so ungefähr, was mich erwartet. Diesmal keine Hotelanlage, sondern die Konferenz mitten in der Stadt, verteilt auf verschiedene Locations zum arbeiten, essen und schlafen.

Anders als die GDM arbeitet die CERME in Working Groups. Davon gab es diesmal 19 und ich nahm an der Working Group „Statistics and Probability“ teil. Es gab die Möglichkeit ein Paper oder ein Poster einzureichen. Das zehnseitige Paper musste im September geschrieben werden und wurde von zwei weiteren Teilnehmer*innen der Gruppe gereviewed. Ebenso musste ich bis Anfang November zwei Paper begutachten und eine Abschätzung abgeben, ob sie für die Konferenzen und eine Veröffentlichung in den Proceedings geeignet sind. Das ist auch der erste Punkt, warum Konferenzen irgendwie sinnvoll sein können. Bei aktiver Teilnahme gibt es je nach Konferenz eine Veröffentlichung, auf der CERME sogar eine internationale mit kleinem Reviewverfahren.

Die Working Group bestand bei uns aus ca 35 Personen und es wurden 22 Paper und 10 Poster vorgestellt. Im Anschluss einer fünf-minütigen Präsentation von vier Paper hintereinander, wurde der Rest der Session genutzt um über Allgemeines oder konkretes Punkte aus den Papern zu diskutieren. Dazu sollte diese im Vorfeld gelesen werden, womit ich die Busfahrt und manche freie Stunden auf der Konferenz verbracht habe. Ich fand es dennoch schwierig mir den Inhalt der Paper zu verinnerlichen und dazu konkrete Fragen zu stellen. In der anschließenden allgemeine Diskussion in Kleingruppen fiel es mir allerdings leichter mich zu positionieren. Die Working Groups fühlen sich an, wie eine Intensivphase fachdidaktischer Forschung im Bereich Stochastik. Dabei wird deutlich mit welchen Theorien und Modellen andere auf dem Gebiet arbeiten, was für mich wirklich hilfreich ist, da mein Theorieteil noch etwas lückenhaft ist.

Die „deutsche Mannschaft“, wie wir von einem Teilnehmer genannt wurde, war sowohl in der Working Group als auch auf der Konferenz stark vertreten. Leider schaffe ich es dadurch nicht, wirklich internationale Kontakte zu knüpfen, aber konnte Bekanntschaften mit Nachwuchsforscher*innen aus Deutschland intensivieren oder neu aufbauen. Meine „Reisegruppe Istanbul“ war auch fast vollständig anwesend. Man sieht sich ja immer mal wieder – die Didaktikcommunity ist ja doch recht überschaubar. Natürlich ist es schön abends mit den Leuten in der freien Zeit ein wenig Prag zu erkunden, aber ich stelle auch immer wieder fest, dass sich die Gesprächsthemen doch meistens um Forschungsinhalte oder wissenschaftliches Leben insgesamt kreisen (oder darum, wie man zu dritt ohne Kleingeld die Rechnung im Restaurant bezahlt und dabei alle möglichen mathematischen Rechenkonzepte angewendet werden). Du bist umgeben mit Leuten, die das machen, was du auch machst, in ähnlichen Phasen und mit ähnlichen Probleme. Sowohl der fachliche und informelle Austausch haben mir insgesamt erstmal mehr Motivation gegeben, weiter an der Arbeit zu schreiben und mit neuen Ideen und Ansätzen an das Schreiben zu gehen. (Ich habe sogar im Bus nach Hause noch eine halbe Seite über die Motivation der Arbeit bzw. des interdisziplinären Ansatz unseres Forschungsprojektes geschrieben). Aber natürlich sind es auch Abende wie gestern das Gala-Dinner, die einfach nur Spaß machen und die Möglichkeit nach Prag zu kommen, wollte ich natürlich nutzen.

Jetzt bin ich auf dem Rückweg, morgen wieder Seminartag und vier Tage Schule, bevor es Faschingsferien gibt. Ich entgleite Stück für Stück aus der Welt der Wissenschaft, rein in die Welt einer Referendarin. Die GDM in Basel findet ohne mich statt. Aber ich hoffe, dass ich meine beiden Welten verbinden kann und immer mal einen Fuß oder ein Auge dort ist, wo ich die letzten Jahre so verankert war. Auch nur dann ist didaktische Forschung sinnvoll, wenn sie nicht in einem Turm bleibt, sondern von und mit der Schule lernt. Umgekehrt schadet es der Schule nicht, hin und wieder zu schauen, was machen denn diese Menschen, die sich Didaktiker schimpfen und Schule (fast) nur von außen betrachten. Wofür bräuchten wir denn sonst didaktische Forschung, wenn sie nicht irgendwann da ankommt, wo sie ankommen soll und verbessert, wie Menschen lernen und lehren?

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